No Pants Today

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Student des Monats – Studentenmama Nora

Oh man, war es lange ruhig hier. Ich hatte nicht so viel zu sagen, irgendwie. Die ganze Bachelorarbeits-Geschichte hat mich mehr aus der Bahn geworfen, als ich es mir selbst eingestehen wollte (dazu an anderer Stelle mehr)- aber jetzt geht es nicht um mein Studium- sondern um Noras :). Ich habe schon vor ewigen Zeiten ein Interview mit der tollen Nora von @noramedfak gemacht. Wenn man bei Instagram nach #studieremmitkind sucht, kommt man an Nora nicht vorbei- und das ist auch gut so.

Dreifach Mama, Medizinstudentin und ein wahres Stehaufmännchen. Tatsächlich war es auch sie, die mich dazu inspiriert hat, mein „Durchfallen“ auf Instagram zu teilen. Nora geht ganz offen damit um, dass nicht immer alles glatt und perfekt läuft und ist damit ein großes Vorbild für viele Medizinstudenten und Studenten-Eltern. Nebenbei setzt sie sich auch ehrenamtlich für die Belange dieser an ihrer Universität ein. Ich wünsche ihr weiterhin ganz viel Mut und Durchhaltevermögen, wenn es bald an die Anatomie-Physikumsprüfung geht. Rock das Ding, Nora!

1. Medizinstudium und drei Kinder – wie geht das? Wer hilft dir? Ohne was könntest du gar nicht studieren?

Nora: Mit drei Kindern Medizin zu studieren ist sicherlich nicht einfach. Aber ich denke, mit drei Kindern NICHT Medizin zu studieren, obwohl es der große Traum ist, ist noch doofer 😉 Im Alltag habe ich das Glück, das meine Kinder in einem guten Kindergarten und einer guten Schule untergebracht sind. Auch unterstützt mich mein Partner sehr stark und ich habe mir über die Jahre ein gutes Netzwerk an lieben Freunden und Unterstützern aufgebaut, auf die ich im Notfall zurückgreifen kann.

2. Erzähl doch kurz deine Geschichte. Wie bist du zum Medizinstudium gekommen??
Nora: Ich habe ein Erststudium im Ausland absolviert, obwohl die Medizin immer mein großer Traum war. Mein Abitur war leider nicht ausreichend gut ;). Irgendwann fand ich eher durch Zufall im Internet die Aussage, dass im Ausland studierte Semester im Inland als Wartesemester gezählt werden. Ganz ohne Plan und mit viel Hoffnung bewarb ich mich dann über Nacht in der Elternzeit mit meinem zweiten Kind bei der ZVS um einen Studienplatz in Köln.

3. Was ist deine ultimative Lernstrategie?
Nora: Ich habe leider keine ultimative Lernstrategie – wichtig ist vor allem, dass Zuhause alles läuft, die Kinder gesund sind und dem Lernen nichts im Weg steht. Das ist selten der Fall…

4. Wie gehst du mit Zweifeln und Rückschritten um? Wie kommst du aus Motivationslöchern heraus? Wiie spornst du dich selbst an?
Nora: Langsam bekomme ich Übung im Umgang mit Zweifeln und Rückschritten 😉 Ich empfinde mich selbst nicht als Kämpferin…aber vielleicht als Stehaufmännchen. So lange ich irgendwie irgendwo noch eine Möglichkeit sehe, ist meine Motivation irgendwann wieder da. Mal dauert es kürzer, mal länger. Beim Medizinstudium hilft es mir mir zu sagen, dass ich ja schon einiges geschafft habe und die Ausgangsbedingungen auch nicht immer leicht waren. Und dass ich so dankbar sein darf, einen Studienplatz zu haben! Den gibt man dann auch nicht grundlos auf <3

5. Welche drei Sachen würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen? Nora: Meine drei Kinder. Nein, Kinder sind ja keine Sachen! Also: Sonnenbrille, mein Handy und ein Kissen.

6. Was würdest du wohl machen, wenn du nicht Medizin studieren würdest? Nora: Ich interessierte mich auch immer für gemeinnützige Organisationen. Entweder was in der Richtung oder „Full time Mom“ mit großem sozialen Engagement. Es gibt so viele interessante Betätigungsfelder!

7. Wie gehst du mit negativen Kommentaren bezüglich deines Studiums um? (Z.B Bei Instagram) Nora: Leider nehme ich diese tatsächlich teilweise mit ins Bett. Wenn man mir fünf Mal sagt, dass ich das gut mache und einmal schreibt man mich an um mir mitzuteilen, dass ich eine schlechte Mutter bin, weil ich mich nicht ausschließlich der Kindererziehung widme…dann nehme ich den negativen Kommentar und überlege, ob es stimmen könnte. Ganz dumme Angewohnheit!

8. Beschreib doch mal einen ganz normalen Tag in deinem Leben. Nora: Bei uns geht es morgens chaotisch los, mit teils schlechter Laune und doch auch ganz viel Liebe. Wenn alle Kinder unterwegs sind fahre ich an die Uni und lerne bis ca 14.30/15.00. Nachmittag spielen wir zusammen, ich begleite die Kinder zum Schwimmtraining, Fußball, Playdates und abends bringe ich sie gemeinsam mit meinem Freund ins Bett. Das dauert dann gerne auch mal etwas länger, weil sie dann sehr redselig werden und wir ja auch mitbekommen möchten, was sie erlebt haben und was sie beschäftigt. Gegen 20.30/21.00 kehrt Ruhe ein. Dann mache ich noch etwas Wäsche oder räume auf. Spätestens um Mitternacht ist es dann ganz ruhig bei uns 😉 Für ca sechs Stunden und dann gehts wieder rund!

9. Wie finden deine Kinder, dass du studierst? Nora: Sie finden es meist gut, weil ich spontan sein kann. Sie begleiten mich gerne an die Uni und sind stolz, dass ihre Mama Ärztin werden will.

10. Wo siehst du dich in 10 Jahren? Was möchtest du nach dem Studium gern machen? Nora: In zehn Jahren möchte ich bitte mit dem Studium fertig sein und als Ärztin in der Gynäkologie arbeiten. Privat möchte ich weiterhin einfach so glücklich sein und bleiben, wie ich es aktuell bin.

Danke liebe Nora, für deine offenen und ehrlichen Antworten. <3

30 Dinge die ich in 30 Jahren gelernt habe…

Ein kleiner Blogpost über die große 30, der eigentlich vor meinem Geburtstag online gehen sollte.

30. Die große Zahl die mir in den letzten Monaten einige schlaflose Nächte bereitet hat.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich Richard vor vier Jahren ausgelacht habe, als er an der Reihe war. Jetzt konnte er sich revanchieren, denn das 30 werden hat mich einfach mal so gar nicht kalt gelassen. Ich hatte eine selbstdiagnostizierte, mittelschwere „30 Krise“, die noch nicht ganz ausgestanden ist. Irgendwie bin ich noch nicht ganz da, wo ich gern wäre- dafür aber da wo ich mich selbst nie vermutet hätte.

Der Geburtstag an sich war dann ziemlich unspektakulär, auch wenn halb Europa mit mir in Disneyland Paris gefeiert hat (es war SEHR voll). 🙂 Seht selbst.


Im Nachhinein frage ich mich, ob ich nicht vielleicht etwas übertrieben habe.
Und alles nur wegen einer Zahl.
Wie albern. Oder vielleicht auch nicht?
Wir Menschen lieben Kategorien. Sie geben uns Orientierung. Wie schneiden wir so ab, im Vergleich zu unseren „Peers“? Besser, schlechter oder landen wir irgendwo im Mittelfeld? Die Sozialpsychologie beschäftigt sich ausführlich mit diesen Vergleichsprozessen. Es ist also völlig normal, nach rechts und links zu schauen.

Aber am Ende ist so ein runder Geburtstag einfach eine perfekte Gelegenheit um einfach mal aufzuhören mit dem ewigen Vergleichen, und sich auf sich selbst zu fokussieren. Wenn ich mich mit meinen „Altersgenossen“ unterhalte, stelle ich fest dass eigentlich niemand genau dort ist wo er gern wäre. Niemand hat alles- aber auch niemand hat nichts. Ich schau mir manchmal Blogs an und staune wohin die Menschen so reisen und wie viele Studienabschlüsse sie haben und bin dann ganz wehmütig. Aber mal ehrlich, wie schön ist es, eine lange „Bucketlist“ zu haben und noch so vieles was es zu entdecken gibt? Wie langweilig wäre es, wenn alle Wünsche erfüllt und alle Sehnsüchte gestillt wären? Wir sind doch alle irgendwie auf dem Weg und in einem ständigen Prozess.
Bisher ist dreißig sein super. Ich reflektiere, was ich gelernt habe und was ich gern anders gemacht hätte.


Und vor allem- was ich gerne noch machen will:
Und das ist eine ganze Menge.

Auf jeden Fall noch mehr reisen, dankbarer sein, wissen was meine Verantwortung in dieser Welt ist- und was halt auch ganz einfach nicht.

Zur Ruhe kommen.
(Hab ich Euch schon mal die Story erzählt, wie ich letztes Jahr innerhalb von acht Tagen zwei Blechschäden und einen geplatzten Autoreifen hatte? Einfach nur weil ich zu gestresst war. Seitdem nehme ich öfters mal den Bus.)

Ganz, ganz viele Dinge lernen und ausprobieren.
Hebräisch. DIY´s. Richtig gut Hausmannskost kochen (Gulasch! Rouladen! Thüriger Klöße!) und am besten auch Gärtnern. Davon habe ich bisher gar keinen Plan.


Zum Anlass meines 30jährigen habe ich mir eine Liste gemacht, mit dreißig Dingen die ich in dreißig Jahren gelernt habe. Dabei habe ich festgestellt, dass Mütter und Omas meistens doch recht haben- und die alten Lebensweisheiten einfach immer noch die besten sind. (Ein bisschen HIMYM darf dabei natürlich nicht fehlen.) Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten und erteilt super Lektionen- ganz bestimmt werde ich den ein oder anderen Spruch zu meinen Kindern sagen.

1. Nothing Good Happens After 2 A.M.
2. Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf
morgen.
3. „Da fließt noch viel Wasser die Elbe herunter“. Meine
Oma. Immer.
4. Wer sich rarmacht, ist der Star.
5. Lass die Leute reden, sie reden über jeden.

6. Nettsein kostet nichts.
7. Morgen Stund‘ hat Gold im Mund.
8. Wer rastet, der rostet.
9. Weniger ist mehr.
10. Denke nicht so oft an das, was dir fehlt, sondern an
das, was du hast.

11. Wer schreibt, der bleibt.
12. Ein jedes Ding an seinem Ort, erspart viel Zeit und
böse Wort.
13. Aufgaben sollte man immer direkt erledigen.
14. Ehrlich währt am längsten.
15. Mütter haben meistens Recht. Auch wenn man es
nicht wahrhaben will.

16. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
17. Alles ist schwer, bevor es leicht wird.
18. Age is just a number.
19. Fleiß & Disziplin < Talent.

20. Show up, get up and dress up.

21. Dankbarkeit ändert alles.

22. Matt. 6,33

23. Einfach machen.

24. Wenn man sich dreimal hintereinander zufällig trifft, muss man einen Kaffee zusammen trinken gehen.

25. Love wins.

26. Don´t drink your calories.

27. Doubts kill more dreams than failure ever will.

28. Dreams don´t work unless you do.

29. Trockenshampoo+Lippenstift und die Sache ist geritzt.

30. Renne niemandem hinterher, es sei denn es ist der Eismann.

Ich habe neulich schon auf Instagram gefragt- und super Antworten erhalten. Schreibt mal, was eure Lieblingsweisheiten sind.

Student des Monats – Nina

Heute hab ich die große Ehre Euch eine ganz, ganz tolle Frau vorzustellen. Nina. Ich habe sie über Instagram kennengelernt und finde sie bezaubernd. Sie ist Medizin-Studentin, zweifach-Mama, jobt und inspiriert mich ohne Ende. Danke Nina, für Deine Zeit und Mühe. <3

(Ihr könnt ihrem Weg auf Instagram @gedankenpotpourri verfolgen.)

Liebe Nina. Erzähl kurz ein bisschen was über Dich. Was sind die außergewöhnlichen Lebensumstände unter denen Du studierst?

Liebe Sarah, ich freue mich sehr, dir (und deinen Lesern) hiermit ein wenig Rede und Antwort zu stehen. Vielleicht direkt zu Anfang der Hinweis: Wer weitergehende Fragen an mich hat, darf mich gerne kontaktieren. Ich freue mich immer, wenn unser ungewöhnlicher Weg Menschen dazu verleitet, selbst über möglicherweise für sie passende, ungewöhnliche Wege nachzudenken.

Was ist also so ungewöhnlich an unserem Studentendasein?

  • Ich begann mein Medizinstudium im „hohen“ Alter von 32 Jahren (Details zu meinem vorherigen beruflichen Weg könnt ihr gleich lesen).
  • Aktuell bin ich 36 Jahre alt und im 9. Semester.
  • Wir haben zwei Kinder im Alter von 9 und 11 Jahren.
  • Mein Mann (Björn) hat im letzten Jahr einen ähnlichen beruflichen Haken geschlagen.
  • Er studiert nun mit 39 Jahren Zahnmedizin im 2. Semester.
  • Um unser Familieneinkommen zu gewährleisten, arbeitet Björn 20h pro Woche weiterhin in seinem „ersten Beruf“.
  • Ich habe einen Minijob in der Pflege.
  • Finanziell war und ist das eine große Herausforderung, aber es funktioniert besser als wir befürchtet hatten.

Was studierst Du und was hast Du vorher gemacht?

Ich studiere Medizin im 9. Semester.

Nach meinem Abi (im Jahr 2001) habe ich zunächst eine duale Ausbildung bei der Siemens AG absolviert. Dort habe ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht und zeitglich studiert (B.A. International Management). Im Anschluss habe ich für etwa 7 Jahre bei Siemens im kaufmännischen Bereich gearbeitet. Nachdem unsere erste Tochter geboren wurde kam ich ins Grübeln. Der Beruf war zwar spannend, machte mich aber nicht tiefgehend zufrieden. Nach langen, langen Überlegungen, vielen passenden und weniger passenden Ideen habe ich mich für eine Vollzeit Ausbildung zur Heilpraktikerin entschieden. So kündigte ich meinen Job bei Siemens und begann die HP-Ausbildung im Jahr 2012. Nach 2 Jahren legte ich dann meine Prüfung ab. Die Ausbildung hat mir super viel Freude bereitet, zugleich aber auch ein großes Feuer für die Medizin entfacht. Ich wollte mehr wissen, mehr verknüpfen können und eine bessere Ausbildung haben, die mir mehr Einfluss im medizinischen Bereich ermöglicht, um wirklich umfassend und ganzheitlich für meine Patienten da sein zu können.

Ich musste es probieren, wenngleich die Zweifel enorm groß waren. Ich bewarb mich an der Uni um einen Studienplatz für Medizin. Und ja, was soll ich sagen… Hat wohl funktioniert 😉

Was ist Deine beste Lernstrategie?

Uh. DIESE eine Lernstrategie gibt es nicht. Es sind eher kleine Bausteine, die ich beherzige und bei Bedarf nutze.

Für mich persönlich haben sich folgende Herangehensweisen herauskristallisiert:

  • Zeitig aufstehen und die erste Lernsitzung (ca. 1,5 Stunden) noch vor dem Frühstück starten.
  • Wenn der Kopf eine Pause braucht – Pause machen und sich nicht vom „schlechten“ Gewissen einreden lassen, dass man doch eigentlich noch was machen müsste. Man kann eben nicht immer produktiv sein. Und sich das vor Augen zu halten, entspannt mich.
  • Kleinschrittig denken und mich nicht vom Querlesen durch Fachbücher entmutigen lassen.
  • Ich erstelle meine eigenen Skripte, mit vielen Bildern. Kurz vor der Prüfung schaue ich dann in kein Buch mehr sondern nur noch in meine eigenen Unterlagen.
  • Komplexe Themen erkläre ich mir, wie in einer Art Vorlesung, selbst. Dabei nehme mich auf Video auf. Das war am Anfang zwar etwas befremdlich aber man gewöhnt sich schnell daran. Für mich persönlich ist das immer super hilfreich.
  • Den Überblick über das gesamte Studium behalten. Wann kommt was? Wann muss ich welche Prüfung schreiben? Kann ich evtl etwas vorziehen und zurückstellen, um meinen persönlichen Studienweg an die Lebensumstände anzupassen?

Wie gehst Du mit Rückschlägen und Schwierigkeiten um? Wie motivierst Du dich immer wieder neu?

Solange ich immer vor Augen habe, WARUM ich angefangen habe zu studieren, lassen sich auch dunkle Zeiten voller Zweifel gut überstehen.

Für mich ist klar – ich möchte der Fels in der Brandung für meine Patienten sein. Ich möchte sie begleiten, aufbauen und bestmöglich medizinisch betreuen. Dafür brauche ich Wissen. Viel Wissen. Das geht eben nur, wenn ich lerne und Hürde nehme, die manchmal unüberwindbar erscheinen. Zum Thema „unüberwindbare Hürden“ noch – mir hilft es zwar, dass große Ganze vor Augen zu haben, zugleich wirkt das Ziel dadurch aber unerreichbar weit weg. Deshalb besinne ich mich immer wieder auf die kleinen Schritte. Denke von Vorlesung zu Vorlesung. Von Prüfung zu Prüfung. Von Semester zu Semester. Kleine Schritte sind viel machbarer als sich ständig vom „Big Picture“ erschlagen zu lassen.  

Welche drei Sachen würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Herz. Seele. Verstand. Gilt das?

Wurdest Du schon mal belächelt/ kritisiert weil Du noch mal studierst und schon „älter“ bist? Falls Ja: Wie hast Du reagiert?

Um ehrlich zu sein, hat das niemand bisher offensichtlich gezeigt oder geäußert. Ich habe eher gegenteilige Erfahrungen gemacht. Es gibt viele Menschen, die mir sagen, dass sie das ziemlich toll und inspirierend finden, dass ich nicht auf festgefahrenen, und für mich langweiligen, Wegen verweile.

Ich muss mich da viel öfter von meinen eigenen Zweifeln frei machen, die mir manchmal einreden wollen, dass ich doch zu alt bin, um nochmal neu zu starten.

Wie sieht ein typischer Tag im Deinem Alltag aus? Wann lernst Du? Typ Eule oder Lerche?

Einen richtig typischen Alltag gibt es vermutlich kaum bei uns. Routine ist eher ein Fremdwort. Mein Studium ist modular aufgebaut. Vorlesungsphasen, Praxisphasen im Krankenhaus und natürlich Prüfungsphasen.

In Vorlesungsphasen schauen wir zum Semesterstart, wie die Vorlesungen liegen und welche ich besuchen möchte (oder muss). Dann setzen wir uns als Familie zusammen und stimmen die Betreuung der Kinder, die Vorbereiten des Mittagessens etc. ab.

In Praxisphasen wird’s besonders anstrengend. Da muss ich 4 Tage pro Woche Vollzeit in der Klinik sein und dazu oft noch recht weit pendeln. Donnerstags habe ich dann immer Zeit zum Lernen. Oder zum Putzen und Wäsche machen… 😉 Allerdings dauern diese Phasen höchstens 6 Wochen. Das ist durchzuhalten.

Dann wären da noch die Prüfungsphasen – die Achterbahnfahrt eines jeden Studenten. Man startet voller Energie und Freude und endet irgendwo tränenüberströmt im tiefsten Selbstzweifel. Mittlerweile kann ich mit diesen Phasen recht entspannt umgehen. Meine Liebsten zum Glück auch! Nach so vielen Jahren des Lernens, weiß ich einfach zu gut, dass dieses Muster sich immer und immer wieder wiederholt. Da kann ich gar nichts dran ändern. Ich kann diese Zeit aber mit dem Gefühl durchlaufen, dass bisher dennoch immer alles gut gegangen ist. Du weißt schon: nach dem Winter kommt der Frühling. Nach dem Regen die Sonne. Wird schon! Atmen und weitermachen.

Wie geht Deine Familie mit Deinem Studium um? Was sagen Deine Kinder dazu? Wie organisierst Du Dich? 

Meine Familie unterstützt mich/ uns voll und ganz. Meine Eltern sind uns eine große Hilfe im Alltag. Sie betreuen an einigen Tagen der Woche die Kinder und helfen uns oft mit dem Kochen.

Grundsätzlich finde es super hilfreich Lernende zu sein. Damit kann ich unsere Kinder sehr verständnisvoll und mit hilfreichen Lernstrategien durch die Schulzeit begleiten. Natürlich ist es für Kinder oft schöner, einen routinierteren Ablauf zu haben als es bei uns gerade möglich ist. Und natürlich finden die Kinder oft, dass wir „zu viel Lernen“ müssen. Aber gut. Alles hat seine Vor- und Nachteile 😉 Am Ende des Tages kann man es vermutlich herunterbrechen auf: „Glückliche Eltern = Glückliche Kinder“.

Ich habe mal meine Tochter gefragt wie sie es so mit uns als studierenden Eltern findet:

„Also ich finde es nicht schlimm das Mama und Papa studieren. Denn ich kenne Mama gar nicht anders. Bei Papa war es die ersten Wochen ungewohnt, aber ich habe mich schon dran gewöhnt. Manchmal ich es nicht so schön, denn sie lernen fast denn ganzen Tag. Aber ich finde sie sind immer noch genug für uns da. Ich liebe sie einfach!!!“

Auch für mich ist es immer wieder spannend, meine Kinder auf diese Frage antworten zu lassen. Und für den letzten Satz habe ich sie nicht bestochen. Echt nicht!


Ohne welches „Hilfsmittel“ / Studienmaterial könntest Du nicht leben?

Ich könnte definitiv nicht ohne meinen Laptop studieren. Ohne Drucker auch nicht. Vor allem aber ohne meinen (Papier)-Kalender nicht.

Ich bin ein Hybrid. Auf der einen Seite muss ich mir meine Skripte digital anfertigen und auf der anderen Seite brauche ich sie immer noch in Papierform. Wenngleich mein Ökoherz das nicht lustig findet. Denn im Laufe der Jahre entstehen da schon verdammte Papierberge.

Was treibt Dich an? Was wäre Dein Traumjob nach der Uni?

Ich möchte die Kinderärztin werden, auf die die Kinder und ihre Eltern sich freuen. Die Kinderärztin, der sie vertrauen können. Bei der sie sich fallen lassen können. Die ihnen aber auch die Werkzeuge an die Hand gibt, um selbstständig mit allen schwierigen (medizinischen und zum Teil auch unmedizinischen) Herausforderungen umgehen zu können.

Das ist Nina. Sie wird eine tolle Ärztin. Tausend Dank, dass Du Dich für ein Interview zur Verfüng gestellt hast.


Als Tourist in der Heimat 1.

Hello again. Irgendwie wird meine gesamte „Freizeit“ zur Zeit von einem großen, schwarzen Loch namens Uni verschluckt. Genauer gesagt: Dem Bachelor-Arbeits-Loch. Da Zeit ohnehin schon meine knappste Ressource ist, komm ich leider gerade kaum zum schreiben. Dabei habe ich so viel im Kopf- und auf dem Herzen. An diesem Blogpost schreibe ich gedanklich schon mindestens andertalb Jahre, was auch erklärt, warum auf manchen Bildern Winter ist.

November 2017. So lange hat es gedauert.

Eingentlich müsste ich in diesem Moment den Haushalt „schmeißen“ (woher kommt eigentlich diese wunderbare Redensart? Weiß das jemand? Davon, dass es so unordentlich ist, das man seinen gesamten Besitz am liebsten aus dem Fenster werfen würde?? So geht es mir nämlich in diesem Moment.), oder Studien übersetzen, oder mit Cecilia spielen,… Aber gestern ist wieder passiert, was mindestens einmal alle paar Wochen passiert. Jemand (meine Schwiegermutti) fragte mich, was man in Hamburg unbedingt machen sollte. Als Tourist. Ja, gute Frage, denke ich mir da jedes Mal. Immerhin lebe ich schon fast zwölf Jahre nicht mehr im Norden, und wenn wir mal ganz ehrlich sind – liegt mein geliebter Heimathafen Neu Wulmstorf gar nicht mal so nah am echten Hamburger Hafen und sogar in NIEDERSACHSEN.

Hamburg klingt aber wesentlich cooler als Neu Wulmstorf, oder?

Wenn die Leute hören, dass ich aus Hamburg komme, kriegen sie oft glänzende Augen. Hamburg. Es gibt wenige Orte, die so sehr mit Freiheit und Abenteuer asssoziert werden, wie die angeblich schönste Stadt der Welt. Es gibt zahlreiche Schlager, Gedichte und Reportagen über sie. Ich kenne niemanden, der mal in Hamburg war, und es blöd fand. Hamburg ist einfach cool.

Touri-Muss. Die Rickmer Rickmers.

Aber irgendwie ist da diese Sehnsucht in mir.

Ich will Dich kennenlernen Hamburg.

Und zwar so richtig.

Deshalb habe ich 2017 das Projekt als „Tourist in der Heimat“ gestartet. Jedes mal, wenn ich länger als zwei Tage nach Hamburg fahre „muss“ ich etwas touristisches unternehemen. Dann kann ich nämlich endlich richtig gute Hamburg-Tipps geben. Bisher bin ich mit der Fähre von Finkenwerder zu den Landungsbrücken gefahren (Tipp Nummer 1: Die Fähre gehört zu den öffentlichen Verkehrsmitteln und kann mit einem HVV-Ticket genutzt werden. Viel günstiger als eine Hafenrundfahrt :)), war zumindestens bei einem halben Musical (Mary Poppins) #dankecece, bin durchs Karolienviertel und über die Reeperbahn gelaufen (letzteres ist bei Tageslicht ein eher trostloser Ort), war im Miniatur Wunderland und im schönsten Park- Planten und Bloom.

Unbedingt möchte ich noch ins Elbgold, auf die Schanze, zum Isemarkt, in den Stadtpark, zu einem St. Pauli-Spiel ans Millerntor, durch Blankenese schlendern und am Elbstrand auf die Schiffe gucken. Habt Ihr einen Lieblinsgort in Hamburg? Wo muss man definitiv hin? Verratet es mir.

Im Karo-Viertel.
Auf St. Pauli.

Lieblingsplatz.

Bei jedem Wetter.
Ich mag sie. Die Elphie.

Verratet mir Euren Lieblingsplatz- ich schaue ihn mir ganz gewiss an.

Wort zum Sonntag.

Wort zum Sonntag. Eine neue Rubrik auf dem Blog.

Ratschläge und mutmachende Worte in komplizierten Lebenslagen.

Heute: Meine Freundin ist nicht glücklich mit ihrer Arbeit und kämpft immer wieder mit ihrem Wunsch noch mal zu studieren. Ich wollte ihr so viel sagen, und wir sehen uns immer nur zehn Minuten in der Straßenbahn. Deshalb hab ich ihr einen Brief geschrieben. (Und allen da draußen gleich mit, die sich in einer ähnlichen Lage befinden.)

Liebe Freundin,

Du bist mir wichtig. Deshalb möchte ich dir heute schreiben.

Und stellvertretend allen, denen es so geht wie Dir.

Denn eines ist gewiss, Du bist nicht alleine mit Deinen Gedanken und Sorgen.

Mit Deinen Träumen und Wünschen.

Du stehst für eine Vielzahl von Menschen, die einen Traum haben.

Sie wünschen sich etwas aus tiefstem Herzen.

Aber sie gehen keine Schritte in die Richtung des Zieles.

Vielleicht haben sie Angst haben vor den Konsequenzen?

Vielleicht weil sie es sich nicht zutrauen?

Vielleicht scheint auch der Berg zu groß, die Hürde zu hoch.

Es war ein sonniger Juli-Tag vor drei Jahren. Wir haben zusammen im Leipziger Rosenthal gesessen und gepicknickt. Eine gemeinsame Freundin hatte dich mitgebracht. Schon bei unserem ersten Treffen hast Du mir von Deinem großen Traum erzählt. Du trägst ihn quasi immer mit Dir rum. In Deinem Herzen- und auf Deiner Zunge.

Du möchtest noch mal studieren. Aus dem Job aussteigen und etwas ganz anderes machen.

Theologie studieren.

Aber wie?

Wie sollst Du für Deinen Lebensunterhalt aufkommen? Solltest Du wirklich die sichere Arbeitsstelle riskieren und noch mal von vorne Anfangen?

Zurück auf null?

Ich sage ganz klar- Ja! Mach es einfach.

Du hast schon so viel gegrübelt, Dir den Kopf zerbrochen.

Du hast Dir die Umstände schön geredet.

Du hast versucht, Dich mit dem zufrieden zu geben, was Du hast.

Sicherheit, eine Festanstellung und ein geregeltes Einkommen.

Was Dir fehlt sind Abenteuer, Veränderung und ein Neuanfang.

Du brauchst einen Mutausbruch!

Ich glaube, es ist kein Zufall, dass ich bei meiner letzten Zugfahrt nach Hamburg Katharina Katz kennengelernt habe. Sie ist Autorin, und macht mit ihrem Buch „Einfach machen“ Frauen Mut sich in die Selbstständigkeit zu wagen. Seitdem spuken mir ihre Worte ständig im Kopf herum.

„Einfach machen“. Fahrten im ICE- Kleinkindabteil können überraschenderweise ganz schön inspirierend sein.

Aber wo anfangen beim der „Operation Traumverwirklichung“?

Alles Liebe, Deine Sarah

  1. Recherche, Recherche, Recherche Das Internet ist voller Geschichten von Menschen, die einfach mal gemacht haben. Ich habe zum Beispiel auf Instagram mit Spannung die Gesichte von Nina und ihrem Mann Björn verfolgt, die jetzt beide noch mal Human-, bzw. Zahnmedizin studieren. Ihr Ringen und die Entscheidungsfindung haben sie total offen und ehrlich auf Instagram geteilt. Sehr inspirierend. Ihr findet sie bei Instagram als „gedankenpotpourri“.
  2. Find a mentor. Du bist nicht die erste und auch nicht die letzte Person, die vor so einem Richtungswechsel steht. Such dir einen Vorreiter und profitiere von seinem Erfahrungsschatz. Frag ihm Löcher in den Bauch.
  3. Gib nicht auf. Sicher wird es nicht ganz leicht, so einen radikalen Schritt zu gehen. Umgib dich unbedingt mit Menschen, die an Deine Vision glauben und Dich nach vorne schubsen.
  4. Du hast was Du brauchst. Du hast die Intelligenz, die Wärme und Empathie um eine wunderbare Theologin zu sein. Lebenserfahrung ist ein unterschätztes Gut, von dem Deine zukünftigen Kommilitonen und Gemeindemitglieder profitieren können.
  5. Mach es einfach. Bewirb dich zu mindestens. Die Bewerbungsfrist endet am 15.3 ;).